Ansprache zum 30-jährigen Jubiläum der Köln-Ring GmbH

Von Johannes Schmitz

Es ist wohl eher ein, ich möchte sagen, merkwürdiges Gefühl, ja eine wirklich innere Spannung zwischen Dank, Anerkennung und Stolz über das Erreichte und über die Tatsache, dass es eben auch ein »Jubiläum der Not« von Menschen gibt, denen wir versucht haben bisher zu helfen. Ja es geht um die Menschen, es geht um sie in erster Linie in unserem Tun, Denken, Planen, Handeln und Arbeiten und dies seit nunmehr 30 Jahren, ja tagein, tagaus. Und in all diesem Agieren und Engagieren, da läuft man, ich, schon das eine oder andere Mal Gefahr, genau diese Not und diese Bewohner/Klienten in ihrer Not und damit den tiefen, Grund unseres Tätigseins aus den Augen zu verlieren. So ist dann dieses Jubiläum, diese Feier, ja genau die Einweihung dieses neuen, Not-wendenden Projektes St. Heinrich für mich wieder erneut Anlass und letztlich guter Grund Sie und uns Handelnde (und bitte wieder und wieder) in Blick zu nehmen.

Dieser Blick auf die Not von Menschen mit psychischer Erkrankung und Behinderung, dieser Blick ist und war immer auch ein politischer Blick... vor allem auf dem Hintergrund der Nazivergangenheit und dem damaligen Umgang, ja, Töten von angeblich minder- oder unwertem Leben. Alle, die sich dieser Bitterkeit erinnern - und damit auch wir - wollten so etwas nicht mehr zulassen, ja wir wollten und wollen es anders und bitte besser machen. Die Sorge um den Menschen mit Krankheit und Behinderung, eine öffentliche Sorge, die sich dann in ihrer Form vor genau dieser Öffentlichkeit stets zu verantworten hat. Wir, die freie Wohlfahrtspflege It. Staatsvertrag dem Subsidiaritätsprinzip folgend, wir haben uns zu kümmern vor Ort und so die staatliche bzw. kommunale Verantwortung für diese Menschen wahrzunehmen und umzusetzen. Wie dies dann geschah und geschehen sollte, wieder politisch, öffentlich, unterschiedlichst, geleitet von unterschiedlichen Bildern des Menschseins im Kopf und auch im Herzen, geleitet von inneren und äußeren Überzeugungen und manchmal auch von der Hybris der allein seligmachenden Gnade, nicht nur bei uns mit unserem christlichem Hintergrund, dies ist dann letztlich unsere Sache und Verantwortung.

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