Wir waren Suchende ...

Ein Rückblick von Thomas Weber

Als die Köln-Ring GmbH sich 1980 gründete, betrat sie damit auch ein Stück Neuland. Die Veröffentlichung der Psychiatrie-Enquete war gerade einmal fünf Jahre her. Bund, Länder und Gemeinden waren also noch nicht lange dabei, die Empfehlungen der Expertenkommission umzusetzen. Es mussten neue Wohn- und Lebenssituationen für die ehemaligen Langzeitpatienten der Psychiatrien geschaffen werden und eine komplette sozialpsychiatrische Infrastruktur musste kreiert werden. Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt bereits einige Einrichtungen der Nachsorge für »psychisch Kranke«, der Erfahrungsschatz im Umgang mit diesen Menschen war jedoch noch kein sonderlich reichhaltiger und bezog sich fast ausschließlich auf Menschen, die sehr stark hospitalisiert waren.

Noch wenige Jahre zuvor waren psychisch Kranke Menschen »zweiter Klasse«, die auf Langzeitstationen unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren. Überbelegte Schlafsäle ohne jegliche Privatsphäre stellten die Regel dar. Auf diesen Langzeitstationen wurden die Menschen lediglich verwahrt und medikamentös behandelt. Dass eine psychische Erkrankung auch seelische Ursachen hat und dass hinter jeder Erkrankung eine spezielle Geschichte des Menschen steckt, kam erst langsam in das Bewusstsein der in der Psychiatrie Tätigen. Auch in den helfenden Berufen wusste man noch nicht so recht, wie ein förderlicher Umgang mit solchen Menschen aussehen könnte, oder wie man eine Umgebung schafft, in der diese zum Teil schwer geschädigten und über lange Jahre hospitalisierten Menschen sich sowohl äußerlich als auch innerlich beheimaten und stabilisieren können. Vor diesem Hintergrund übernahm die Stegerwald-Stiftung, der Deutsche Caritasverband und somit die von ihr neu gegründete Köln-Ring GmbH den Auftrag, die Menschen aus den Langzeitstationen aufzunehmen, zu rehabilitieren und gemeindenah zu integrieren.

Ein großer Lernprozess nahm damals seinen Anfang, ein Lernprozess, der sicherlich noch andauert. Ein enormer Grundstock an Erfahrungen ist in den vergangenen 30 Jahren in der Köln-Ring GmbH gewachsen. Eine für psychisch kranke Menschen förderliche Haltung hat sich herausgebildet und ist über die Praxis auch zurück in die Lehre geflossen.